folk-music

die cellistin barbara gasser und die pianistin danielle witschi bilden seit 2005 ein duo, das sich vorwiegend der musikliteratur des 20. jahrhunderts widmet.
thematische aspekte bestimmen die werkwahl — neugier, spielfreude, entdeckerlust sind die treibende kraft bei der entwicklung ihrer programme russische begegnung, gegensichten, america! america!, color, solitär, folk-music

im programm folk-music setzen sie sich mit der musik von fünf osteuropäischen komponisten des 20. jahrhunderts auseinander deren werken melos und rhythmen ihrer jeweiligen volksmusik zugrunde liegen.

bohuslav martinů (1890-1959):
variationen über ein slowakisches thema
für violoncello und klavier

thema und 5 variationen

die variationen über ein slowakisches volkslied für violoncello und klavier komponierte martinů innerhalb einiger tage im märz 1959 ein halbes jahr vor seinem tod.
das variationsthema basiert auf einem slowakischen volkslied aus der sammlung „tausend slowakische volkslieder“ op. 70 nr. 335 von viliam figus-bystry (1875-1937) mit folgendem inhalt:

wenn mir wer sagen könnt’,
wo mein liebster mähet,
tau wollt’ ich ihm bringen
hier in meiner schürze...

die frei rezitierte wehmütige melodie im cello wird von cymbal ähnlichen klängen des klaviers begleitet und entführt sogleich in osteuropäische klangwelten. die fünf nachfolgenden variationen lassen dann in kontinuierlichem gefüge das variationsmässig abgeänderte thema in neuen rhythmischen gestalten erscheinen; martinus differenzierte rhythmik erzeugt eine sehr reizvolle spannung zwischen regelmäßigen und unregelmäßigen elementen.

leoš janácek (1854-1928)
pohadka (märchen)
für violincello und klavier

sätze I, II, III

ursprünglich orientierte sich der komponist an vasslij shukowskys 1831 entstandenem epos über den kampf des zarewisch iwan mit seinem schicksal und seine liebe zur schönen marja. das 1907 bis 1910 entstandene märchen – einzig vollendetes werk des komponisten für diese beiden instrumente – wollte er als freie, phantasievolle behandlung märchenhafter archetypen verstanden wissen. im verlauf der arbeit trat jedoch die shukowskysche quelle immer mehr in den hintergrund; es gibt keine direkten handlungsverläufe, das musikalische material erinnert aber noch an die slawische mythenwelt.

béla bartòk (1881-1945):
rumänische volkstänze
für violoncello und klavier
in der bearbeitung von luigi silva

der tanz mit dem stab
bràul
der stampfer
tanz aus butschùm
rumänische „polka“
schnell-tanz

die rumänischen volkstänze gehören ohne zweifel zu den populärsten werken bartoks. die früheste fassung ist für klavier 1915 entstanden. bartok bearbeitete die tänze für orchester und autorisierte kammermusikalische fassungen von verschiedenen komponisten. das musikalische material des werkes entstammt bartoks sammeltätigkeit. seine ausgedehnten reisen durch ganz osteuropa erbrachten einen riesigen melodienschatz ungarischer, rumänischer und slowakischer lieder und tänze. 1908 notierte bartok tänze in siebenbürgen; auf sie gehen die rumänischen tänze zurück.

zoltán kodály (1882-1967):
sonate op. 4
für violoncello und klavier

I. fantasia
II. allegro con spirito

kodály’s verdienste für die erforschung der echten ungarischen volksmusik sind gross. seine liebe zur volksmusik findet sich deutlich in dieser 1909/10 komponierten sonate wieder: die thematischen motive sind sehr einfach und haben ihre wurzeln eindeutig in der volksmusik. die art, wie kodály sie verarbeitet und kühne harmonien dazu fügt, zeugt von seiner kompositorischen freiheit und seinem erfindungsreichtum.

dmitri schostakowitsch (1906-1975):
elf stücke für violoncello und klavier

daraus:
die mechanische puppe
drehorgel
trauriges lied
wiegenlied
moderato
gigue

die elf stücke sind eine sammlung von bearbeitungen von schostakowitsch nahe stehenden russischen komponisten. die meisten stücke entstammen ballett- oder filmmusiken von schostakowitsch. einzig das moderato ist ein original für violoncello und klavier komponiertes werk. nicht eigentlich thematisch der volksmusik zugehörend atmet die sammlung für uns doch sehr viel russische seele aus, weshalb wir sie in dieses programm aufgenommen haben.

druckversion (pdf)

barbara gasser, danielle witschi
bild: urs kohler
cello